00:00:00: Rechenzentren sind riesige Stromfresser.
00:00:03: Und es werden durch den KI-Boom immer mehr!
00:00:06: Dabei ist es für den Klimaschutz essentiell, dass der Energieverbrauch sinkt.
00:00:10: und mitten in der von der Klimakrise angetriebenen Hitzewelle macht die Bundesregierung jetzt was?
00:00:15: Die Energiesparvorgaben für Unternehmen lockern – und zwar besonders für Betreiber von Rechencentren.
00:00:21: Das gucken wir uns in diesem Klima Update genauer an.
00:00:35: Hi und herzlich willkommen zu einem neuen Klima Update.
00:00:38: Wir sind der Klimanachrichten-Podcast von Klimareporter und der TATZ, und wir sprechen hier über die drei wichtigsten Kliman Nachrichten der Woche!
00:00:46: Ich bin Susanne Schwarz vom TATS und ich spreche heute mit meiner Kollegin Sandra Kirchner von Klimarreporter.
00:00:52: Hallo Sandra!
00:00:53: Hallo
00:00:54: ihr hört die Folge vom sächsenszwanzigsten Juni zwetausendsechsundzwanzich Und das sind heute unsere drei Themen.
00:01:01: Die Hitze hält weite Teile von Europa in Schach Und das ist nachweislich ein Effekt der Klimakrise.
00:01:08: Dann gucken wir uns an, wie die Bundesregierung unternehmen und besonders Rechenzentren das Energiesparen erlassen will – und zum Schluss sprechen wir darüber, wie sie das Klagerecht von Umweltverbänden beschneidet.
00:01:20: Ja, wir kommen diese Woche irgendwie nicht drum herum auch über das Wetter zu sprechen!
00:01:25: In Europa ihr Merkzeule selbst herrscht eine krasse Hitzewelle.
00:01:29: Selbst in Deutschland können die Temperaturen manchen Orten oder vielen Orten sogar auf bis zu einundvierzig Grad klettern.
00:01:36: Das ist natürlich total gefährlich, auch schon weit vorher also vor den einund vierzig Grat.
00:01:43: Trombose, Überhitzung Herzweche Nierenversagen Also so heiße Tage befördern Krankheiten die sogar zum Tod führen können.
00:01:53: Es gibt ja jedes Jahr mittlerweile Tausende Hitze Tote Aber auch Sonnenstich, Sonnenbrand.
00:01:58: Kreislaufprobleme sind typisch.
00:02:00: Besonders alte Menschen sind gefährdet, Babys ebenfalls.
00:02:04: Leute mit Vorerkrankungen, manche Medikamente verändern auch die Temperaturregulation des Körpers also manche Antidepressiva zum Beispiel.
00:02:13: da ist dann auch besondere Vorsicht geboten.
00:02:15: Hier Expertinnen sprechen aktuell von einem Hitzedom das heißt eine besonders stark ausgeprägte Hochdruckzone bildet in der Atmosphäre einer Art Kuppel die die Hitze über einen bestimmten Gebiet einschließt.
00:02:29: Das wird durch den Klimawandel wahrscheinlicher.
00:02:32: Erstens ist die Erde im Durchschnitt heißer geworden, zweitens bewegt sich das stark windband Jetstream durch die veränderten Temperaturunterschiede zwischen Arktis und Equator langsamer und Eiert.
00:02:44: dadurch bleiben Wetterlagen oft länger als früher an einem bestimmten Ort Anstatt schnell weiter getrieben zu werden.
00:02:51: Genau du sagst es jetzt gerade schon Schuld ist der Mensch selbst nämlich durch die Klimakrise.
00:02:57: Das lässt sich ja nicht bei jedem Wetterereignis so einfach sagen, aber bei extremer Hitze ist es in jedem Fall so.
00:03:03: Da ist eigentlich nur die Frage... wie viel wahrscheinlicher oder heißer hat die Klimakrise, die Hitze jetzt gemacht.
00:03:10: Und die Wissenschaft ist mittlerweile in der Lage darauf ziemlich schnell Antworten zu geben und zur aktuellen Hitzewelle gibt es schon mehrere Arbeiten während sie stattfindet.
00:03:20: das ist schon eindrucksvoll und zum Beispiel ganz frisch von heute vom Freitag und zwar von World Weather Attribution.
00:03:27: Das ist ein Forschungsnetzwerk aus internationalen KlimaforscherInnen.
00:03:32: Ja, die haben sich genau auf solche Untersuchungen spezialisiert.
00:03:36: Die die Frage stellen wie viel Klimakrise steckt im Wetter?
00:03:39: Ich
00:03:39: gebe mal einen kurzen Abriss davon was die da machen.
00:03:43: also sie füttern viele verschiedene Klimamodelle mit den spezifischen Messdaten eines Wettereignisses einmal mit den Rahmenbedingung der aktuellen Welt und einmal mit denen einer fiktiven Welt ohne menschliche Treibhausgase.
00:03:58: Dann wird verglichen, ist das Wettereignis im ersten Fall häufiger zu erwarten.
00:04:03: Kann man das auf den menschengemachten Klimawandel zurückführen?
00:04:07: Und da kam raus noch bis vor kurzem, nämlich bis vor fünfzig Jahren wäre die aktuelle europäische Hitzewelle physikalisch praktisch nicht möglich gewesen.
00:04:17: Also nicht seltener oder so sondern einfach nicht möglich!
00:04:21: Auch interessant El Nino hat damit nichts zu tun haben die Modellierungen gezeigt.
00:04:26: So El Nio ist ja ein natürliches Wetterphänomen das alle paar Jahre auftritt und unter anderem zu weltweit höheren Temperaturen führt.
00:04:34: Das fängt jetzt gerade an.
00:04:35: Aber diese Hitze jetzt, die ist eben nicht dadurch so stark.
00:04:38: Sondern einfach durch die Klimakrise.
00:04:41: Also würde sich noch ein El Nino-Effekt bemerkbar machen, käme der wohl noch oben drauf.
00:04:46: Ist schon gruselig!
00:04:47: Eine andere Untersuchung hat übrigens ähnliche Ergebnisse gebracht.
00:04:50: Der Klimawandel hat die Hitzewelle laut den WissenschaftlerInnen vom Projekt Klimameter um bis zu vier Grad heißer gemacht.
00:04:57: Klimameta wird von der Europäischen Union und dem Französischen Forschungsinstitut Cnrs finanziert und die Fachleute sagen, Europa nähert sich den Grenzen dessen woran sich Gesellschaften- und Ökosysteme anpassen könnten.
00:05:14: Ja!
00:05:15: Und mit dieser Aussicht gehen wir zum nächsten Thema.
00:05:19: Und zwar sprechen wir übers Energiesparen.
00:05:22: Die Bundesregierung will Vorgaben zum Energiespan für Unternehmen abbauen.
00:05:27: Unternehmen sollen von Bürokratie entlastet werden – so lautet die Begründung dafür.
00:05:31: In dieser Woche hat das Bundeskabinett deshalb eine Reform des Energieeffizienzgesetzes beschlossen.
00:05:38: Dabei wird das Gesetz entschlagt, fällt auf das Niveau der Effizienzerordnung der EU zurück – also auf das Maß, dass Deutschland sozusagen mitmachen muss als EU-Mitglied!
00:05:49: Die Ampel hatte das Gesetz eingeführt, im Jahr zwanzig ist es ein Kraftgetreten und das war eben deutlich anspruchsvoller als das was die EU vorschreibt.
00:05:59: Nur Union und SPD wollen jetzt Effizienz, Auflagen und Berichtspflichten vor allem für kleinere und auch mittlere Unternehmen abschaffen.
00:06:08: Damit werde die Wirtschaft um drei Milliarden Euro entlastet heißt es vom Wirtschaftsministerium bzw.
00:06:15: von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche von der CDU.
00:06:18: Ja, künftig sollen nur noch Unternehmen mit einem jährlichen Energieverbrauch von mehr als Bislang gilt diese Pflicht ab einem jährlichen Energieverbrauch von sieben, fünf Gigawattstunden.
00:06:39: Ja und dadurch würden eben viele mittelständische Unternehmen etwa aus der Metallverarbeitung dem Maschinenbau, der Baustoff oder der Lebensmittelindustrie nicht mehr unter dieser Vorgabe fallen ein Energie- und Umweltmanagement System einzuführen.
00:06:55: Ein solches System verpflichtet einen Unternehmen nicht jede Energie-Sparmaßnahme umzusetzen.
00:07:00: Es sorgt aber dafür, dass der Energieverbrauch regelmäßig überprüft wird und man Einsparpotenziale erkennen kann.
00:07:08: Und ohne diese Pflicht schauen sich Unternehmen seltener ihren Energieverbauch an und die Gesetzesreform verpflichtet Jetzt eigentlich nur noch Unternehmen mit einem besonders hohem Energieverbrauch, nämlich aus der Chemie-, Stahl- oder Papierfabrik dazu.
00:07:26: Ja
00:07:26: für Betreiber von Rechenzentren sieht ja Gesetzesentwurf zwar weniger Erleichterung vor als ein früherer Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums aber trotzdem werden einige Vorgaben für bestehende Rechencentren gelockert.
00:07:41: Rechenzentren müssen zum Beispiel erst ab zwei Tausend Dreißig vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben werden bilanziell.
00:07:48: Neue Rechencentren müssen zwar weiterhin besonders energieeffizient gebaut werden, erhalten aber mehr Zeit um die gesetzlichen Effizienzvorgaben zu erfüllen nämlich vier statt zwei Jahre.
00:07:59: Außerdem müssen Betreiber die Abwärme ihrer Rechen Zentren nur noch dann nutzen wenn vor Ort schon ein geeignetes Wärmen Netz vorhanden ist und dass die Wärme dann eingespeist werden kann.
00:08:10: produzieren ja sozusagen kontinuierlich Abwärme, die aber meistens ungenutzt einfach in die Umgebung verpufft und aktuell auch die Umgeben weiter aufheizt.
00:08:22: Ja Vorgaben zum Energiesparen für Rechenzentren sind wichtig weil die Anlagen schon heute rund vier Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland ausmachen.
00:08:33: durch die zunehmende Digitalisierung und den Ausbau von KI dürfte ihr Energiebedarf Ja, weiter steigen.
00:08:40: Nachdem Schwarz-Rot die Effizienzziele im Gesetz zwar zunächst komplett abschaffen wollte gibt es jetzt wieder Effiziensziele in dem Gesetz aber sie haben keinen verbindlichen Charakter mehr sondern die Geld nur noch zur Orientierung und die Ziele für zwei tausendfünfundvierzig die sollen komplett entfallen Und auch die Pflicht des Bundesmaßnahmen zum Energiesparen umzusetzen.
00:09:05: Die soll zwar bestehen bleiben, aber nur bis zu zwei Tausend Dreißig und ohne konkrete Einsparvorgaben.
00:09:10: Vielleicht noch einen kurzen Überblick wo wir eigentlich stehen beim Energiespan an Deutschland?
00:09:15: Also es ist so dass der Energieverbrauch in Deutschland seit den seit neunzehnten Neunzig kaum gesunken ist also ein bisschen schon benarzu stagniert.
00:09:26: Während Corona gab es einen kleinen Einschnitt natürlich, aber insgesamt geht's da wirklich bisher wenig voran.
00:09:35: Ja die Wirtschaft begrüßt trotzdem weitgehend die geplanten Lockerungen weil es vor allem den Mittelstand entlasten würde.
00:09:41: also der deutschen Industrie- und Handelskammer gehen die Änderung noch gar nicht weit genug.
00:09:47: sie fordert Vorgaben noch weiter abzubauen und das Gesetz vollständig auf die EU Mindestanforderungen zu beschränken.
00:09:54: Kritik kommt dagegen von der Opposition und Umweltorganisation.
00:09:58: Sie befürchten, dass durch die Lockerung weniger Energie eingespart wird und Abwärme aus Rechenzentren und Fabriken weiter ungenutzt bleibt.
00:10:08: Und die Organisation Algorithm Watch, die kritisiert das Rechencentren künftig leichter auch weiter mit fossilen Energien betrieben werden können über ihren Energieverbrauch und ihre Umweltauswirkungen veröffentlichen müssen.
00:10:26: Wir kommen zu unserem letzten Thema für heute, in der Nacht zum Freitag hat der Bundestag das Klagerecht von Umweltverbänden eingeschränkt.
00:10:35: Er hat die schwarz-rote Reform des – jetzt Achtung ein bisschen umständliches Wort!
00:10:45: Diese Reform soll Gerichtsverfahren in Umweltfragen beschleunigen, damit Bauvorhaben wie neue Straßen schneller umgesetzt werden können.
00:10:53: Und ja, Klagen sollen solche Bauvorhaben in Zukunft zum Beispiel gar nicht mehr stoppen können.
00:10:57: Ja das Umweltrechtsbehälfsgesetz regelt wann Umweltverbände gegen umweltrelevante Entscheidungen von Behörden klagen können etwa gegen die Genehmigung einer Straße oder eine Industrieanlage ohne eines anderen Bauprojekts.
00:11:11: und grundsätzlich können nach deubischen Recht ja nur Personen klagen die durch eine behördliche Entscheidung selbst in ihren Rechten betroffen sind.
00:11:20: Das Umweltrechtsbehef Gesetz schafft hier von einer Ausnahme.
00:11:24: anerkannte Umweltverbände können unter bestimmten Voraussetzungen auch im öffentlichen Interesse klagen, damit setzt Deutschland Vorgaben der EU und der AHUS-Konvention um.
00:11:34: Und diese Konvention ist ein internationales UN Abkommen, das der Öffentlichkeit das Recht auf Zugang zu Umweltinformation und die Beteiligung an umweltrelevanten Entscheidungen garantiert ebenso wie behördliche Entscheidungen vor Gericht überprüfen zu
00:11:50: lassen.".
00:11:51: Ja, in Zukunft sollen Klägerinnen ihre Einwände und Beweise gegen ja solche Straßen- oder Industrieanlagen künftig innerhalb von zehn Wochen vorlegen.
00:12:01: Außerdem sollen Einwände, die nicht frühzeitig im Verwaltungsverfahren oder innerhalb der vorgesehenen Fristen vorgebracht wurden, später vor Gericht unter Umständen gar nicht mehr berücksichtigt werden.
00:12:12: Kritikerinnen befürchten deshalb das Umweltverbände ihre Kontrollfunktion schlechter ausüben können dadurch, weil sich eben mögliche Rechtsverstöße und Umweltausführungen oft erst im Laufe eines Verfahrens zeigen.
00:12:25: Einer dieser Kritiker heißt zum Beispiel Alexander Schmidt, der ist Professor für öffentliches Wirtschaftsrecht an der Hochschule Anhalt und er hält die Regelung sogar für europarechtswidrig.
00:12:37: Der Verweister aus Studien, nach denen solche Einschränkungen in Gerichtsverfahren nicht mal nachweislich beschleunigen.
00:12:43: Ja und
00:12:43: künftig sollen Umweltverbände eben auch nur gegen Vorhaben klagen können, die zu ihrem Aufgabenbereich und ihrer Region gehören?
00:12:51: Und neu ist künftig Stiftungen ebenfalls als anerkannte Verbände zugelassen werden können, die klagen können.
00:13:01: Die Umweltverbände sehen sich durch die Reform natürlich eingeschränkt in ihren Klagerechten.
00:13:07: Die sagen, Verbandsklagen sind oft das letzte Mittel um die Einhaltung des Umweltrechts auch wirklich durchzusetzen.
00:13:12: also zum Beispiel äußert sich so der BUND.
00:13:16: Der sagt ja der Schutz von Naturklima und Lebensräumen wird geschwächt.
00:13:20: Ja und mit etwa siebzig Klagen pro Jahr ziehen Umweltorganisationen in Deutschland vor Gericht gegen Entscheidungen, die Sie für rechtswidrig- und umweltschädlich halten.
00:13:30: Im Vergleich im Jahr zwei tausendteinundzwanzig entschieden die Verwaltungsgerichte über mehr als sechsensechzehntausend Hauptsacheverfahren.
00:13:39: Umweltsverbandsklagen machen damit weniger als null Komma ein Prozent aller Verfahren aus Und aus Sicht der Umweltverbände widersprechen diese Zahlen damit den Vorwurf, sie würden mit ihren Klagen die Gerichte überlasten oder zahlreiche Projekte blockieren.
00:13:56: Das
00:13:57: war das Klima Update für diese Woche!
00:13:59: Wenn euch der Podcast gefällt abonniert uns gerne und lasst uns eine Bewertung und Feedback da.
00:14:04: Ihr könnt uns auch eine Mail schreiben nämlich an klimaminusupdate at klimareporter.de.
00:14:25: Das Klima-Update ist ein Projekt des Klimawissen eV in Kooperation mit der TATS und der Tatspannterstiftung.
00:14:31: Es wird im Wechsel moderiert von Verena Kern, Sandra Kirchner, Katharina Schipkowski und Susanne Schwarz – unser Produzent ist Christian Eichler!
00:14:39: Ihr könnt unsere Arbeit mit einer Spende unterstützen.
00:14:42: Dazu besucht uns auf www.verein-klimawissen.de.